Autorenhomepage von H. L. Ween

Gedichte? Gedichte! Meine erste große Liebe und vielleicht auch meine letzte. Kostproben gefällig?

 

Walpurgis

Hexe, oh Hexe,
Göttin der Nacht,
verführst und betörst mich
mit tiefschwarzer Macht!

Ich ziere mich heftig,
dich dafür zu ehren,
du vergiftest mein Herz,
kann mich nicht erwehren.

In lodernden Flammen,
gehörst du verbrannt,
im Feuer, so heiß
bleibt von dir einzig Sand.

Im schmutzigen Wasser
will ich dich ertränken,
dafür wird der Herrgott
mich reichlich beschenken.

Aus der sündigen Seele,
die mein ist, komm´ raus,
Du böse Dämonin
in mir- welch ein Graus.

Erlöse mich endlich,
oh Herr, hör´ mein Flehen,
die Hexe bin ich längst,
und kann´s nicht verstehen.

Die Nacht von Walpurgis,
heut bin ich dabei,
hab mich schon verraten,
jetzt ist´s einerlei ...

 

Vergänglichkeit

Dunkelgrauer Himmel dräut,
vom Nieselregen glänzt Asphalt,
kein Vogelzwitschern mehr erfreut,
Menschen hasten ohne Halt.
Selbst Neonröhren Blässe zeigen,
Nebel verschluckt jedes Licht
Wie in einem Hexenreigen,
Autoreifen spritzen Gischt.
Endzeitstimmung schleicht daher,
geführt von kalter Geisterhand,
das Gemüt wird bleiern schwer,
Leben scheint dir nur als Tand.
Ein Leichentuch bedeckt die Stadt,
Vergänglichkeit wird dir bewusst,
du fühlst dich todesähnlich matt
und ahnst, dass auch du gehen musst...

 

Sterben

Weißes Laken,

Steril wie blitzend Skalpell

Dämmerlicht,

Trübsal blasend

Wie Gassen im Regen,

Der Greis aschfahl

Mit von Runzeln

bedecktem Antlitz,

Verbergend

Die Qualen und Sehnsucht

Nach ewiger Freiheit im Tod,

Schmerzende Glieder,

Durchstochene Venen.

Kunstöffnung für Nahrung,

Zuletzt mit Mühe geflößt

In müde Organe,

Füße,

Zerstört vom Laufen.

Jahraus, jahrein,

Hände, nur Blasen und Knoten.

Spuren von mühselig Fron,

Arbeit genannt,

Doch meist nur

Entfremdung und Not

Ein Sonnenstrahl
Durchbricht hängende Wolken,

Gleichsam einladend die Feen des Hades

Mit ihren schwarzen Schatten,

Erlösend vom Odem des Lebens.

Tropf,

Spiegelnd Vitamine und Licht,

Unnütz Für den, der bald geht,

Schwestern

Huschen lautlos im Flur,

Kaum bewusst

Des schmalen Grates,

Trennend vom Abgrund

Des Nichts,

Leises Stöhnen aus Tiefen,

Hervorgestoßenes Signal des Abschieds,

Verlassen der leeren Hülle, Aufbäumen der Lungen,

Reißen der Adern,

Platzende Zellen,

Wie Ballone,

Schwindende Kraft,

Augenblick

Zwischen Zeit und Nichtzeit,

Materie zerfällt zu Staub,
Sandige Erde des Leibes,

Vom Vergessen

Schon der Beginn,

Endlich Stillstand

Für immer und ewig,

Drücken der Augen,

Die längst gebrochen,

Leinen Über starrem Gebein,

Verstecken,

Weil Sterben Tabu,

Die Feen des Hades

Entfliehen mit der Beute...

Neid

Ich hab dich
geärgert,
erbost
und verletzt,
so dass du
voll Hass
jetzt gegen
mich hetzt.
Ich hatte Erfolg,
was kann
ich dafür,
War Müh doch,
und
Pein,
und manch
tiefes Loch.
Neid frisst
dich nur auf,
zerstört,
was du liebst,
halt fern dich,
kehr um
und sei froh,
wenn du gibst.
Lieben
statt hassen,
Milde
statt Zorn,
nur wenn
du so tickst,
kommst als Mensch
du nach vorn.

Monster

Hinterm Mond
lauert es,
böses Monster,
schleimig grün,
manchmal braun,
bisweilen scheckig,
heute rund,
morgen eckig,
Chamäleon
und Ringelschwein,
präpariert schon
seine Zunge
und die schwefelgelbe Lunge,
stößt vielleicht
schon sehr bald zu,
gibt nicht Ruh,
kann nicht anders
als zu rächen,
seine Eltern,
seine Ahnen,
die es mahnen,
aufzuräumen
mit den Träumen
dieser Wesen
auf der Erde,
die sich Menschen
häufig nennen,
unser Monster
selten kennen
was ihm hilft
bei seinen Taten,
die zerstören
alles, was
uns könnt
betören,
eben unsre
lieben Träume
und die wunderschönen
Schäume,
raubt uns auch
die letzte Hoffnung,
raubt uns Leben,
unser Streben,
beißt und spuckt,
kratzt und juckt,
ätzt und knebelt,
uns umnebelt,
alles weg,
wenn aus dem All
Monster landet
Knall auf Fall!

Banker

Sie saufen
Und huren
Und lachen
Dabei,
Die hohen
Herren
Der Welt.
Planen
Schon
Den nächsten
Coup,
Und immer
Geht es
Um Geld.
Beten
Zum
Mammon,
Tanzen
Ums
Kalb,
Verlieren
Das
Maß,
In der
Hölle
Schon halb.
Werden einst
Rösten
Für ihre
Taten,
Wenn sie tot,
Ohne Geld,
Sind sie rasch
Teufels Braten.

Gefangen

Ich hasse Mauern,

die mich trennen,

wie meine Worte

und Gedanken,

die vernünftigen

und kranken,

könnte heulen

jeden Tag,

verfluchen,

was mich abseits hält,

von den Guten

und den Bösen,

mir verbietet gar

 zu leben,

nach dem kleinen Glück

zu streben,

was nützt mir

all das Inselwissen,

Die Fähigkeit,

perfekt zu speichern,

was ich erblicke

mit den Augen,

wenn ich gefangen

in mir selbst.

Kein winzig Weg

nach außen führt,

wär` lieber dumm

wie eine Kuh,

könnt' ich hinaus

dafür im nu,

und allen

meine Freude zeigen,

meine Wünsche,

meinen Zorn,

dafür bin ich

doch nur  geboren,

ohne Gesellschaft

ganz verloren,

lass, mein Gott,

die Mauern fallen,

zeige mir, dass du mich liebst,

dann wär ich,

glaube mir, sofort,

der Glücklichste

an jedem Ort!

Abrakadabra

Abrakadabra,

ich zaubre mir die Welt.

 

Abrakadabra,

so wie sie mir gefällt.

 

Abrakadabra,

hinweg mit allem Alten.

 

Abrakadabra,

mein Antlitz ohne Falten.

 

Abrakadabra,

das Glied auch stets bereit.

 

Abrakadabra,

wohlauf, du schöne Zeit.

 

Abrakadabra,

werde ewig lange leben.

 

Abrakadabra,

nach Macht und Reichtum streben.

 

Abrakadabra,

beherrsch sogar das All.

 

 

Abrakadabra,

ich platze mit ´nem Knall.

 

Abrakadabra,

die Zauberkraft verloren.

 

Abrakadabra,

was sind wir doch für Toren...

Angst

Angst nagt in mir,

weiß nicht,

warum,

weiß nicht,

wie lange,

war wohl schon,

als ich geboren,

ist gewachsen,

mit mir,

meinem Leib,

drängt jetzt

heraus,

aus meinem Körper,

längst zu klein

für das Monster,

das in mir

tobt,

flucht,

wütet,

mich zerreißt,

Tag für Tag,

Nacht für Nacht,

es ist in mir,

war es schon immer,

wird immer schlimmer,

halt es nicht aus,

springe heraus

aus meinem Leib

mit meiner Angst,

die ich verlier

nur mit mir...

Vorbei

Schrei, wenn du kannst,

brüll in die Nacht,

vom Feuer brünstig

und kochend,

schrei hinaus

deinen Schmerz,

deine Lunge,

deine Seele,

dein Ich,

solange du kannst,

wo du verloren

in unendlich

langen Sekunden

Hab und Gut,

Frau und Kind,

Hoffnung und Glaube,

für jetzt und immer,

Seele,

löchrig wie Sieb,

dank der Hölle,

vom Himmel gekommen

wie einst

die Helikopter

in Apokalypse Now,

Boden und Luft verbrannt,

stechend Geruch

von

Haut, Knochen und Blut,

Metall, Glas und Plastik,

wohin nur, da

kein Ausweg,

keine Gnade,

noch Barmherzigkeit,

wir loben dich,

oh Herr

über Leben und Tod,

der uns erwählt

als Opfer

oder Lamm

oder Beides,

dir zur Ehre

krepieren wir

heut und jetzt

für nichts,

was sich lohnt.

Vorbei.

Teuflische Idylle

Vorbei zieh´ n Wolken, Watte gleich,

Rehe äsen, Amseln singen,

eine Leiche schwimmt im Teich-

wird den Fischen Nahrung bringen...

 

Friede über allem liegt,

Blätter rascheln leis´ im Wind,

zur Blüte flink die Biene fliegt-

die Leiche, dünkt mich, ist ein Kind...

 

Sonnenstrahlen zärtlich tanzen,

Astern duften, Eber dösen,

am Ufer liegt des Kindes Ranzen-

Natur so frei von allem Bösen...

 

Grillen zirpen ohne Ende,

aus den Gehäusen lugen Schnecken,

der Kindesleiche fehl´ n die Hände-

und das Gesicht, verzerrt vor Schrecken...

 

Würmer kriechen auf dem Boden,

Pilze steh´ n am Wegesrand,

der Leiche fehlen auch die Hoden,

die vielleicht ein Marder fand...

 

Wach in Netzen harren Spinnen,

Gräser, ach, so würzig herbe,

auch des Kindes Herz von hinnen-

diente wohl dem Luchs als Erbe...

 

Ein Nest die Kohlmeise sich baut,

Schmetterlinge flattern leicht,

ein Aal an den Gedärmen kaut,

der Zander seinen Part erheischt...

 

Der Fuchs hebt freudig seine Rute,

als er sein Mittagsmahl erblickt,

dem Kinde wünsch ich alles Gute,

wie´ s sich bei dieser Aussicht schickt...

 

Ewiges Opfer

Hast mir gestohlen

Hab und Gut,

Hirn und Mut,

Mund und Blut,

Kraft und Wut,

Schirm und Hut,

Bier und Sud,

Aug und Sput´,

böse Ruth,

Tunichtgut,

alles Leben,

so ist´  s eben,

unnütz´ Streben,

bei einem Weib

mit lüstern´ Leib,

bist verloren,

kaum geboren,

weil der Schwanz,

dieser Franz,

bei jedem Tanz

schreit: „Ich kann´ s!“

Liebe fatal,

anal, oral,

vaginal,

böse Qual,

macht dich hörig,

ungehörig,

keine Chance,

nur noch Trance,

vorbei Denken,

Spermien lenken,

erst im Sarg,

endlich Quark,

friedlich Ruhe

statt Getue.

Steifes Glied?

Aus das Lied!

Schwanz so alt,

furchtbar kalt

und den Rest,

welch ein Fest,

frisst aus dir

Wurmgetier,

nichts dir bleibt

unbeweibt,

liegst nur rum

starr und stumm,

armer Bube

in der Grube…

Die Gedanken sind frei ...

Lautlos huschen  sie

durch  mein Hirn,

wissen  nicht, wohin

mit ihren Flausen,

die Fantasien,

stolpern und springen,

tanzen und singen,

wollen erobern

Herz und Verstand,

führen die Hand,

sind klug und weise,

gleichzeitig dumm,

immer laut, niemals stumm,

sollen enden,

die Gedanken,

die perversen und die kranken,

nicht mehr huschen,

lieber kuschen,

weil sonst keiner

mich versteht…

 

Die Büchse der Pandora

An der Wand steht´ s rot geschrieben,

in blutig Lettern, die berichten,

dass sie kommt, die Böse Sieben,

uns alle grauenvoll zu richten.

 

Am ersten Tag beginnt – ganz leise-

der Dämon mit dem Todesreigen,

singt uns eine feine Weise,

begleitet von sechs Teufelsgeigen.

 

Am nächsten Tag das nackte Grauen,

Satansschwänze überall,

fahren wild in junge Frauen,

bringen Tugend rasch zu Fall.

 

Am dritten Tag die Messer wetzen

Grüne Kobolde im Wald,

die in Todesfurcht versetzen

auf Berg´, in Tälern jung und alt.

 

Am vierten Tage Furien jagen,

Feuer brennt und Weiber jammern,

Mensch und Tier ihr Los beklagen

Auf den Straßen, in den Kammern.

 

Am fünften Tag fängt an das Meer

Sich plötzlich übers Land zu heben,

überm Wasser schwebt ein Heer-

lässt vor Furcht die Sünder beben.

 

Am sechsten Tage scheinbar Ruhe,

wie´ s üblich meist vorm großen Sturm,

verschlossen heut Pandoras Truhe-

doch lauert schon der Riesenwurm.

 

Der tötet uns am siebten Tage

Mit einem kalten, stählern Schauer,

unsre Zukunft, keine Frage,

ist nur noch von kurzer Dauer!

 

An der Wand stand nichts geschrieben,

wollt dich nur erschrecken,

es gab sie nie, die Böse Sieben,

wollte dich nur necken...

 

Menetekel? Schau dich um,

siehst du dort Gefahren?

Wenn nicht, dann bleibe ruhig dumm,

 zur Hölle wirst du  fahren...

Gier

Dröhnender Lärm,

Endloses Hämmern,

Lichtreflexe,

Bewegung pur,

Mädchen

Mit platinblonden Haaren,

Mondkrater,

In denen

Flackernde Pupillen schwimmen,

Errötete Haut,

Nüstern tanzender Paare,

Ekstase,

Schwarze Messe,

Orgasmen statt Abendmahl,

Bleckende Zähne,

Schmutzig und gelb von Nikotin,

Straffe Brüste,

Ohne Stützen schwebend,

Ineinander fließende Formen,

Stimulieren aller Fasern,

Jedes Punktes,

Versteifen der Leiber,

Versunken in schrillen Gitarren,

Psychoschocks,

Prasselnden Oktaven,

Schöße, zum Empfang bereit,

Heimliches Sehnen der Begierde,

Schweißes Nässe,

Geruch nach Tier

Auf der Lauer,

Feuer und Wasser,

Sich rasend ergänzen,

Wortfetzen,

Nichtssagend, doch trächtig,

Feuchte der Unterwelt,

Erwartete geile Kontakte,

Peitschende Triebe,

Erregte Knospen,

Keuschen der Brunft,

Verzerrte Mienen,

Dampfende Sauna der Lust,

Kollektives Versinken

In dunklen Grotten,

Erlösende Schreie,

geöffneten Mündern entfliehend,

Explosionen,

Die Körpern entweichen,

Dann Todesstille, endloses Schweigen.

Hexenküche

Das Fräulein Karla Wunder

Aus der Beletage,

Macht' aus mir 'ne Flunder,

Weil ich sie bracht' in Rage.

Verspeiste mich, ganz zart pochiert,

In der Walpurgisnacht,

Nachdem ich zuvor filetiert-

Derweil die Hexe lacht'....

Der Grund- ich wollt' sie necken,

 Im Treppenhaus verführen,

Mein Ding in ihr verstecken-

und damit kräftig rühren...

Leider dreht' sie um den Spieß,

Packte mich am Schopf,

Schleppte mich in ihr Verlies,

Darin ein großer Topf!

In diesen stieß sie mich mit Macht,

Schrie dabei ganz schrill

„Tschüs und eine gute Nacht,

Weil ich Dich fressen will!

Wolltest keck an meinem Busen,

 Lange schon von Dir begehrt,

Unerlaubt und gierig schmusen-

Hättest mich Jungfer fast entehrt!

Wolltest gar an meine M...,

Schweig', ich kenn' mich damit aus,

 Ihr Männer seid doch alle böse-

Nützlich nur als Leich' und Schmaus!

So hört auf das geile Pochen

Im niemals satten Bösewicht,

Den werde ich als erstes kochen,

Bin schon ganz darauf erpicht!"

Ich versucht' noch zu enteilen,

Doch hielt grob sie mich zurück,

Gefesselt mit taudicken Seilen,

War's vorbei mit meinem Glück...

Musst´ erleiden, wie sie schnitt

 Mir ab den armen ..mmel,

Bis ich endlich starb und glitt

Als Flunder in den Himmel!

Dort schwimm ich jetzt als Engel

Mit Flossen, Schuppen, Kiemen,

Doch leider ohne St...el,

Weil das sich würd´ nicht ziemen.

Als Rache wird im nächsten Leben

Verhext in eine Flunder,

Liebe Leute, so ist´ s  eben,

Das böse Fräulein Wunder...

 

Nehrung

 

Befind ich mich noch auf der Erde

oder bin ich fern von ihr?

übt Natur die groß´ Gebärde?

schaurig schön zeigt sie sich mir!

 

Sand, zu Dünen aufgeschichtet,

irreal und doch zu fassen,

von Sonnenfluten grell belichtet,

wie könnt´ ich diesen Ort verlassen.

 

Links das Haff und rechts das Meer,

darüber spannt sich Himmel weit,

Kurlands blau, wo kommst du her?

Ich werd´ dich lieben allezeit!